Zehentrenner_Trend 2019
Trendkultur

The Shoe Evolution // Zehentrenner

Werbung, unbeauftragt.

Es gibt für mich einen Schuh, der in den letzten Jahren eine ziemliche beeindruckende Evolution hingelegt hat. Ein Schuh, er sein Image gründlich aufpoliert hat und sich nun an mehr Füßen denn je tummelt. Den ich früher geringschätzig begutachtet habe und nun nicht mehr missen möchte: Der Zehentrenner.

Zehentrenner – ein Wort, was nicht gerade stylisch und trendy klingt. Ist es aber gerade. Oder vielmehr der Schuh dahinter. Ich rede hier nicht vom jungen, hippen Flip-Flop mit einfacher Sohle und Zehenriemen aus einem Kunststoffguss. Der Flip-Flop hatte nämlich nie Imageprobleme: Er war immer lässig, jung, hip, Sommer, Sonne, Sonnenschein. Das Standardfußwerk aller Aussteiger und Surfer von Kalifornien über Indonesien bis nach Neuseeland. Nein, die Rede ist von seinem älteren, etwas angestaubten Bruder. Mit dicker Profilsohle, anatomisch geformten Fußbett, breiten Riemen und hohem Tragekomfort sprühten Zehentrenner und auch seine Schwester Riemensandale früher nicht gerade vor modischer Finesse.

Shoeveloution

Bereits im letzten Sommer bahnten die beiden sich langsam ihren Weg über die Füße in die allgemeine Aufmerksamkeit und legten ihr altbackenes Image nach und nach ab. In diesem Sommer, so kommt es mir vor, ist der Wandel komplett vollzogen: Der Zehentrenner und die Riemensandale haben ihr Schattendasein hinter sich gelassen und es in Modemagazine und stylische Instragramaccounts geschafft. Sie sind salonfähig geworden. Sogar werktags in den Büros großer Konzerne. Und niemand findet das komisch. Was früher einen altbackenen Touch hatte, ist heute ein begehrtes Trendobjekt mit einem Kultstatus, der seinesgleichen sucht.

Ich fand vor allem Zehentrenner früher ziemlich unästhetisch. Flip-Flops mit ihrem sonnigen Sommerfeeling mochte ich gerne, aber Zehentrenner: Einfach nein. In den ledrigen, erdigen Tönen wie Braun, Beige oder simplem Schwarz waren sie für mich der Inbegriff von „Schuhe und Mode sind mir egal“-Looks. Ja, ich weiß, das ist ganz, ganz tief in die Klischeeschublade gegriffen. Übertreibungen sind ein stilistisches Mittel der Literatur 😉 Sicher, die Schuhe mögen bestimmt bequem sein, aber einen coolen Look damit kreieren? Das fand ich immer schwiiierig.

Mode, Psychologie und dazwischen Instagram

Aber so ganz langsam wurden die Modelle raffinierter. Die Materialien wandelten sich und plötzlich sah ich sie in bunten Farben, in Metallictönen (mit Metallic bekommt man mich immer), sogar in Lackoptik! Je öfter ich die Schuhe sah, desto besser fand ich sie. Eins muss ich nämlich zugeben: Ich bin vermutlich ein Trendopfer einerseits und wiederum keines andererseits: Entweder, ich sehe einen Trend so häufig, dass ich ihn schnell satt habe. Beispiel: Basttaschen. Je häufiger ich sie gesehen habe, desto weniger mochte ich sie. Oder je öfter ich etwas sehe, desto schöner finde ich es. Beispiel: Ja nun, der Zehentrenner eben.

Psychologen nennen das den „Mere-Exporsure“-Effekt: Durch wiederholte Wahrnehmung einer Sache wird diese im Laufe der Zeit positiver bewertet. Jetzt weiß ich zumindest, woran es (unter anderem) liegt. Instagram leistet da gute Exposure-Dienste und es finden sich viele Looks, die mir gut gefielen und so sicher dazu beitrugen, mein Bild zu wandeln.

Die Sache mit der Geschmackssache

Das ist ja das Schöne an Mode: Sie ist Geschmackssache und Geschmack darf sich ändern, wie wir uns ja selbst auch ändern und entwickeln. Allerdings frage ich mich schon, welchen Einfluss was genau genommen hat und was letztlich dazu führte, dass ich die Schuhe, inbesondere den Zehentrenner im Laufe der Zeit doch in mein Herz geschlossen habe. Ist es die Social-Media-Präsenz? Ist es das Alter? Die Verschiebung der Werte hin zu mehr Natürlichkeit, Entspannung, Bequemlichkeit? Ein Indiz: In meinem Kleiderschrank tummeln sich so viele Sneaker und Flats wie nie. Mit 20 besaß ich außer Sportschuhen und Bade-Flip-Flops kein einziges Paar flacher Schuhe.

Vielleicht ist es ein Ausdruck dessen, was mir die letzten Monate wichtig war: Mehr Zeit für Gedanken, mehr Zeit für Achtsamkeit und innerlicher Ruhe. Versuchen, die Dinge etwas entspannter zu sehen als früher. Das scheint aber nicht nur mir so zu gehen, denn der Zeitgeist geht in die gleiche Richtung. So ist der Athleisuretrend auch nur ein Ausläufer dafür, dass wir uns alle vielleicht nach etwas mehr Entspannung sehnen in einer Zeit, in der Leistung und Schnellebigkeit quasi obligatorisch ist. Mode fängt diese Tendenzen auf und bildet sie ab, als Teil unserer Kultur, die sich ständig ändert.

Mein Geschmack ändert sich. Ich ändere mich. Deswegen kann ich nun auch sagen, dass ich meine damaligen Denkweisen komplett über Board geworfen habe und zugebe: Ja, der Zehentrenner ist ein toller Schuh, der jetzt auch meinen Fuß in diesem Sommer oft ziert. So oft, dass ich ihn mit meinem liebsten Kleidungsstück Blazer zusammengebracht habe und dabei dieser Look entstanden ist.

Für solch gegensätzliche Kleidungsstücke hinsichtlich ihrer Stileinordnung gehen sie erstaunlich gut zusammen, oder? Jedenfalls bin ich froh, meine Vorbehalte abgelegt zu haben (ist immer eine gute Sache, nicht nur in der Mode) und das Ganze nochmal neu betrachtet habe. Da die letzten Tage so unfassbar warm waren, war ich froh, dieses Schuhwerk, an meiner Seite zu haben!

Habt ihr ein Kleidungsstück oder eine Stilrichtung, die ihr früher überhaupt nicht mochtet und nun feiert? Hat sich euer Stil über die Jahre verändert?

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Ein Kommentar

  • Wonderful Fifty

    Liebe Vanessa, danke für diesen interessanten Beitrag zu den Zehentrennern und den Titel „Shoe Evolution“ hast du wirklich toll gewählt. Durch deine Beschreibung ist mir so richtig gewusst geworden, welche Änderungen sich hier in der letzten Zeit vollzogen haben. Ein Schuh, um den gerne ein Bogen gemacht worden, der wie ein Außenseiter behandelt worden ist, rückt immer mehr in den Mittelpunkt und wird stylish und modern. Diesen Mere-Exposure-Effekt sind wir sicher alle schon mal erlegen, etwas was für anfangs nur skeptisch gemustert haben, dass so gar nicht in unser Bild gepasst hat, wird plötzlich interessant und in späterer Folge vielleicht sogar heiß geliebt und ist aus dem Kleiderschrank nicht mehr wegzudenken. Es gab doch Zeiten, da wurden zu eleganten Röcken und Kleidern nur elegante Schuhe, Pumps oder dergleichen getragen und heute dürfen es gerne Sneakers seid und wird empfinden dies als passend. So hat sich meine Ansicht hier auch total geändert und ich liebe meine Sneakers und trage sie wirklich gerne.
    Hab einen wunderbaren Abend und alles Liebe

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