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Gedankenkultur

Thirtysomething // Von 30ern und Erwartungen

Ja, da war er, der 32. Geburtstag. Und zwar wieder mal viel schneller als gedacht und gefühlt. Die Zeit vergeht immer schneller und dabei habe ich noch soviel auf dem Zettel, was ich machen, erleben, sehen, denken, fühlen will. Als ich vor zwei Jahren 30 wurde, habe ich einige der Gedanken, die ich dazu hatte, schon niedergeschrieben. Jetzt, nach zwei Jahren in den Thirtysomethings, lohnt sich mal ein kurzer Gedankenstopp, ein kurzes Zwischenresümee. Halten die 30er, was sie versprechen? Oder wird alles nur noch komplizierter, verworrener, anspruchsvoller? Und vergeht die Zeit eigentlich noch schneller?

Das interessante Ding mit den Erwartungen

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ich habe den Eindruck, hat frau erstmal die 30 überschritten, so werden alle möglichen Erwartungen an eben jene herangetragen: Heiraten, Haus bauen, Kinder bekommen, erfolgreich im Beruf sein und, wenn du richtig gut bist, schaffst du es noch dreimal die Woche ins Fitnessstudio. Das gleiche Schicksal ereilt sicherlich auch Männer in diesem Alter, keine Frage. Und dennoch habe ich manchmal den Eindruck, als sei insbesondere bei Frauen das Zeitfenster, das alles zu erreichen, itzibitziklein – gefühlt nämlich nur 5 Jahre, im Alter von 30-35 Jahren.

In den 20ern darf frau sich gesellschaftlich akzeptiert noch ausprobieren, experimentieren, Dinge antesten: Partner*innen, Jobs, Freunde, Lebensstile. Aber bitte, liebe Frauen, mit 30, allerspätestens Mitte 30, solltet ihr dann auch mal fertig sein mit all dem. Dann sollt ihr euch selbst gefunden haben, euren Weg, eure Richtung. Denn, was ihr nicht mehr habt, ist Zeit. Bei Frauen scheint die, nicht nur biologische, sondern auch gesellschaftliche Uhr, irgendwie anders zu ticken als bei Männern.

Für viele Menschen (nicht alle, aber sehr, sehr seeehr, sehr viele – ich spreche aus Erfahrung) ist nichts selbstverständlicher als die Frage, ob man denn heiraten wolle, wie es denn mit Nachwuchs aussehe, ob man denn nicht ein Haus bauen wolle. „Interessant“, denke ich jedes Mal, wenn die Fragen nach meiner Lebensplanung kommen, „das geht euch genau WAS an? Achja richtig – Nix!“

Die berühmt-berüchtigte K-Frage

Ohnehin scheint Kinder bekommen DAS Thema bei Frauen in den 30ern zu sein. Ob sie es wollen oder nicht, überall werden sie mit damit konfrontiert. Ob ein Partner vorhanden ist oder nicht. Wenn keiner in Sicht ist, geht es eher in die Richtung „Wäre ein Partner nicht schön, um mit ihm eine Familie gründen zu können?“. Ist einer vorhanden, dann geht es natürlich ans Eingemachte, denn dann stellt sich nach einer Beziehungsdauer von >2 Jahren schnell die Frage nach Ehe und Kindern.

Eine gute Freundin von mir weiß jetzt schon, dass sie keine Kinder haben möchte, ganz ganz sicher. Den Standardspruch, den sie zu hören bekommt, ist folgender: „Ach, wenn der richtige Mann erstmal da ist, dann kommt der Wunsch ganz von allein.“ Da frage ich mich ehrlich: Finde nur ich es unangebracht, so einen Kommentar zu bringen? Wieso kann das nicht einfach akzeptiert werden?

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Auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so scheint, so denke ich oft, ist die Frage nach Kindern schon recht privat. Jetzt sind die meisten meiner Leser*innen Frauen und daher könnt ihr, liebe Frauen, euch sicher mit der Thematik identifizieren. Das wird noch ein gutes Stück Arbeit für uns, anderen Menschen dafür zu sensibilisieren, solche Fragen mit Bedacht, wenn überhaupt, zu stellen. Nach zwei Jahren in den 30ern habe ich schon sehr oft die K-Frage gestellt bekommen, von meiner Mutter über ehemalige Arbeitskolleginnen oder Klassenkameraden bis hin zur Inhaberin einer Gaststätte, in der ich erst zweimal war zu einem Geburtstagsessen der Großeltern war (WTF?!).

Da finde ich das Motto „Es gibt keine doofen Fragen, nur doofe Antworten“ überdenkenswert: Doch, es gibt gelegentlich schon doofe Fragen, finde ich. Oder zumindest Fragen, die schon recht privat sind. Und wenn diese so gedankenlos gestellt werden, dann können sie irgendwann vielleicht mal auf jemanden treffen, der damit, aus den unterschiedlichsten Gründen, nicht so gut umgehen kann. Zum Beispiel, weil ein Paar schon lange versucht, Kinder zu bekommen, es aber vielleicht nicht klappt – um nur eine mögliche Hintergrundsituation zu nennen. Und es gibt noch unzählige weitere Möglichkeiten, denn das Thema kann eben sehr emotional sein. It´s just none of your business.

Das neue Unbesondere

Es sollte doch im Jahr 2020 total egal und unbedeutend, im Sinne von „normal“ sein (ich mag das Wort nicht, aber es wird am häufigsten genutzt in diesem Zusammenhang), dass jedes unserer Leben anders aussieht. Und auch aussehen darf. Mit 30 einen Partner/eine Partnerin zu haben oder keine/n zu haben. Verheiratet zu sein oder liiert zu sein. Zusammen oder allein zu leben. In der Partnerschaft Erfüllung zu finden oder Kinder zu haben. Einen Job zu haben oder viele unterschiedliche Dinge zu machen. Ein eigenes Haus zu haben oder in einer Mietwohnung zu wohnen. Und alles, was es noch dazwischen gibt. Kurzum:

Wo man mit sich selbst steht

Abgesehen davon finde ich 32 sein nämlich ziemlich gut, doch ja. Ich fühle mich mehr bei mir als mit 20. Bewusster, vielleicht, in vielen Dingen. Und ich bin bei weitem nicht so ernst, wie ich es früher gedacht hätte. Warum auch? Woher kam dieses Denken, wie jemand mit 30 zu sein hat?

Mittlerweile weiß ich: Ist alles reinsozialisierter Quatsch. Wichtig ist, dass man das macht, was einen glücklich macht. Das sind bei mir natürlich auch nicht mehr (nur), die Dinge, die ich mit 20 toll fand. Ich liebe jetzt auch Dinge, die ich mit 20 gehasst habe: Früh aufstehen. Sport machen. Kochen. Kaffee trinken. In der Natur sein. Weniger shoppen. Weniger Make-Up. Gesündere Ernährung. Mehr Wasser trinken. Meditieren. Lieber weniger, aber dafür gute Freunde zu haben. Mehr Wahrheiten auszusprechen, auch wenn es weh tut.

Aber gleichzeitig liebe ich jetzt auch noch Dinge, die ich mit 20 schon toll fand: Sehr, sehr laut Musik hören. Tagträumen. Eine Obsession für etwas entwickeln, sei es ein neues Hobby oder ein Lied. Verrückt und albern sein. Modezeitschriften lesen. Meine Lieblingsserien gucken.

Mein großes To-Do

Ich weiß nicht, was ihr noch so vorhabt, aber ich werde weiterhin versuchen, genau da weiter zu machen, wo ich gerade aufgehört und wieder angefangen habe. Und ja, mich halten meinen Ängste, Sorgen oder Glaubenssätze nach wie vor ganz schön auf Trab. Ich glaube, die werden nie so ganz weggehen. Aber wie heißt es so schön: „Mutig sein bedeutet nicht, keine Angst es haben, sondern es trotzdem zu tun.“ Also werde ich weiterhin daran arbeiten, mutig zu sein. Für das, was ich gerne in meinem Leben noch machen, sehen, erreichen, denken und fühlen will. Denn das ist dann am Ende das, was wir Leben nennen: Jeder Tag, den wir haben – egal, in welchem Alter wir damit starten.

Wie sind eure Gedanken zum diesem Thema? Gab es Lebensphasen, die ihr besonders spannend, aufregend oder prägend in Erinnerung habt? Was habt ihr noch auf eurem Lebenswunschzettel?

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6 Comments

  • miras_world_com

    Alles Liebe nachträglich! Da die Welt sich immer schneller dreht, habe ich das Gefühl, dass man bis Ende der 20er schon alles erreichen sollte, wie Haus, Familie und die Kariere. Ich kann natürlich sagen, das zu schaffen ohne jegliche Kosmos Hilfe ist unmöglich. Dafür aber in den 30ern hören die Fragen nach Kindern auf. Was ich sagen kann, je älter man ist, desto gelassener wird man und man weißt, die Welt dreht sich weiter auch am nächsten Tag. Liebe Grüße und genieße die 30er!

  • Sarah

    Von mir auch alles Gute nachträglich. Ich kann das wirklich sehr gut nachvollziehen. Auch in meinem Alter beginnt das mit den Nachfragen ja schon langsam – besonders, wenn die ersten Freunde dann anfangen zu heiraten und Kinder zu bekommen, was für mich tatsächlich gerade noch total weit weg und zum jetzigen Zeitpunkt unvorstellbar wäre. Da gehen die Lebenswege dann manchmal einfach echt auseinander.
    Liebe Grüße
    Sarah

  • Wonderful Fifty

    Liebe Vanessa, ich wünsche dir auf diesem Weg nochmals alles Liebe und Gute zu deinem Geburtstag. Geburtstage werden von vielen gerne zum Anlass genommen, um auf die letzten Zeit zurückzuschauen, aber auch Pläne für die nächsten Jahre zu schmieden. Oftmals sind es dann die Mitmenschen, die bestimmte Erwartungen, egal ob schöne oder auch negative haben, und uns praktisch in ein Schema pressen wollen. Aber jeder Mensch entwickelt sich anders, jeder Mensch hat andere Interessen und das wird auch das ganze Leben so bleiben. Bei mir gab es bereits mehrere unterschiedliche Abschnitte im Leben, das liegt einerseits an meinen Vorstellungen, aber auch daran, dass ich mich selber geändert und entwickelt habe. Doch ich möchte keine dieser Zeiten missen, aber auch in keine zurückversetzt werden. Jede war auf ihre Art schön, jede hat mir andere Erfahrungen gebracht, und jetzt freue ich mich auf die nächste Zeit und bin gespannt, was noch alles auf mich zukommt. Lass dich nicht von den Erwartungen der anderen unter Druck setzen – es ist dein Leben, du weißt am besten, was du brauchst und was für dich gut ist. Wenn du früher etwas wolltest, dich das heute aber nicht mehr interessiert, dann ist es auch dein Recht, deine Lebensplanung anzupassen und zu verändern.
    Hab einen wunderbares neues Lebensjahr und alles Liebe Gesa

  • S.Mirli

    Kaum zu glauben, oder, dass wir im Jahr 2020 noch immer mit so einem Schubladendenken und Klischees zu kämpfen haben. Es gibt kaum ein Wort, dass ich mehr verabscheue als das Wort „normal“. Wer glaubt, definieren zu können, was normal ist und was nicht. Ich selbst habe mit 22 geheiratet UND ich habe bis heute keine Kinder UND ich will auch keine. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Jahre ich blöde Fragen beantworten musste. Niemand konnte verstehen, warum ich denn überhaupt heirate, wenn ich doch keine Kinder bekommen möchte. Heute ist es mir egal, und ich beantworte diese Fragen gerne, weil ich meinen Frieden mit diesem Thema gemacht habe. Aber ja, es ist eine viel zu persönliche Frage und geht genau niemanden etwas an. Aber es ist nach wie vor kaum akzeptiert, dass man als Frau keine Kinder in die Welt setzen möchte, als ob das die einzige Daseinsberechtigung des weiblichen Geschlechts ist. Zum Glück gibt es immer mehr Frauen, die sich von der Erwartungshaltung der Gesellschaft entfernen und auch ihre Art leben, auch wenn sie unkonventionell ist. Ich passe wohl auch in keine Schublade und ich wollte es nie anders haben. Manche haben ihre Schwierigkeiten damit, anfangs selbst meine Eltern, heute ist es zum Glück schon etwas einfacher und vielleicht begreift die Gesellschaft irgendwann doch noch, dass es nicht nur EIN Lebensmodell gibt und dass dieses eben nicht auf jeden passen kann. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag und happy birthday im übrigen im Nachhinein. Alles, alles Liebe, x S.Mirli
    https://www.mirlime.at

  • Nicole

    Oh der Beitrag ist so toll – wie du schon schreibst: Wir Frauen kenne diesen Fragen leider, ich bekomme die jetzt schon gestellt, wobei ich mich halt nun auch der 30 nähere. Genau wie du denke ich mir dann immer: Dass das den Gegenüber nichts angeht. Es ist mein Leben und mich nervt es, dass man mir da immer reinquatschen möchte. Nur weil die andere Seite unbedingt heiraten und Kinder haben möchte, gilt das nicht für jede Frau in der Gesellschaft. Aber das ist halt immer noch der gesellschaftliche Standard, für alles andere muss man sich ja rechtfertigen, wird komisch beäugt oder muss sich bei der K-Frage, wenn man dies verneint, besagten Satz anhören, denn du geschrieben hast. Das käme ja noch. Dabei ist es vollkommen legitim wenn man keine Kinder haben möchte. Jeder muss das für sich selbst entscheiden und wieso oder weshalb man die Entscheidung dann fällt, geht niemanden was an. Ich hoffe auch, dass da ein Umdenken stattfindet und es zur Normalität wird, wenn man Single ist, nicht heiraten möchte oder keine Kinder will. Dass wir die Vielfalt der Lebensstile als etwas Positives sehen, denn das ist es.

    Ich bin mir sicher, dass sich bei mir auch nicht viel ändern wird, wenn ich die 30 erreicht habe. Warum sollten meine Hobbies dann auch plötzlich andere sein? Genau wie du werde ich dann immer noch bei neuen Folgen meiner Lieblingsserie voller Vorfreude vor dem TV sitzen und meinen Spaß daran haben, werde wenn ich gut gelaunt bin die Musik aufdrehen und durch die Wohnung tanzen oder Spieleabende mit Freunden veranstalten, die wesentlich länger gehen als geplant, weil wir dann zu später Stunde ungeplant über philosophische Fragen fachsimplen :D. Und auch mit 30 oder mitte 30 wird mein Leben bestimmt nicht perfekt sein, werde ich Herausforderungen meistern müssen und Ängste oder Zweifel haben. Das gehört zum Leben einfach mit dazu.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Vanessa,
    ich liebe Open World Spiele noch heute, weil man halt auch die Welt erkunden kann und das Spiele sind, die man nicht in 2-3 Stunden durchgezockt hat, sondern mit denen man viel Zeit verbringen kann. Finde ich immer schön, vor allem wenn ich sehe wie teuer manche Videospiele sind. Geht mir aber ähnlich: In der Jugend habe ich schon öfter mal gezockt, heute habe ich da nicht ganz so viel Zeit für, da klappt das nur ab und an mal ein Stündchen.

    • Nicole

      Dankeschön für dein liebes Kommentar Vanessa und für das Daumen drücken – das kann ich gebrauchen.
      Ich hoffe ja, dass es da weitere Teile geben wird, weil das ist auf jeden Fall Potenzial vorhanden und wie gesagt ich finde die Figur ein gutes Vorbild für junge Mädchen. Das ganze hätte sich in meinen Augen ja sogar als Serie angeboten.

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