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Esskultur,  Gedankenkultur

Wieso ich beim Veganuary mitmache

Werbung, unbeauftragt.

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich ein totaler Foodie bin. Ich bin unglaublich neugierig auf alles, was mit dem Thema Ernährung zu tun hat und liebe es, Neues auszuprobieren. Seit längerer Zeit beschäftige ich mich daher auch mit dem Thema Vegetarismus/Veganismus. Hier und da habe ich in der Vergangenheit auch schon vegane Tage eingelegt. Diese stellten für keine große Herausforderung dar, da der Zeitraum ja recht überschaubar war. Zudem ist meine Ernährung im Alltag (ohne besondere Reise- und Urlaubsaktivitäten) tagsüber (!) schon recht pflanzenbasiert. Aber wehe, wenn es Abend wird… Doch eins nach dem anderen.

Vom Frühstück über Snacks am Nachmittag…

Wie ist es soweit gekommen, dass man beim Veganuary mitmachen will?, fragt sich der geneigte Omnivore. Letztlich führten bei mir mehrere Gründe dazu. Zum einen esse ich, wie bereits erwähnt, in meinem Alltag schon viele Nahrungsmittel, die zu einem veganen Ernährungsplan gehören. Ich faste 14-16 Stunden, daher esse ich meine erste Mahlzeit eh erst gegen 11-12 Uhr. Und dieses Früh- (oder Spätstück) sieht immer gleich aus: Die Basis bildet mein geliebter Sojajoghurt mit Himbeeren, Heidelbeeren (beides tiefgekühlt) und Haferflocken. Die weiteren Komponenten wie Nüsse und Samen variiere ich nach Lust und Laune: Leinsamen, Sonnenblumen- oder Kürbiskerne, Hanfsamen, Sesam, Walnüsse oder Mandeln. Nachmittags trinke ich dann meist einen grünen Smoothie, esse einen selbst gemachten Müsliriegel und Gemüserohkost. Ich trinke auch keine Kuhmilch, denn Hafer- oder Mandeldrink schmecken mir einfach besser.

…bis zum Abendbrot

Somit gibt es in meinem Alltag folglich nur noch ein Gericht, in dem Fleisch, Sahne oder Käse häufig zum Einsatz kommt: Das ist das Abendessen. Es wäre viel zu einfach zu sagen, dass ich nur noch keine Vegetarierin oder Veganerin bin, weil es zu schwierig wäre, mit einem Nicht-Vegetarier/Veganer den Herd zu teilen (was ich nämlich tue). Der Mitbewohner meines Herzens isst sehr gern tierische Produkte. Beim Abendessen gibt es daher häufig Gerichte mit Fleisch, Käse, Creme fraiche, etc.

Und, was für eine Überraschung: Tatsächlich schmecken mir diese Gerichte auch. Mir schmeckt Pizza mit Käse überbacken. Mir schmecken Spaghetti Bolognese mit Parmesan. Und hier wird mir mein Dilemma deutlich: Ich trinke keine Kuhmilch, aber streue gleichzeitig Käse über meine Pizza. Ist das jetzt soviel besser oder kann ich es dann nicht gleich komplett bleiben lassen? Oder sind wir dann nicht doch wieder bei der Diskussion, ähnlich dem Flight-Shaming, dass jeder in seinem Rahmen das zur Erhalt unserer Umwelt und/oder zum Tierwohl beiträgt, was er beitragen kann? Oder will? Das Thema ist, zumindest für mich, auf vielen Ebenen sehr komplex. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es auch ganz einfach und ich bin nur zu bequem und muss mir meine eigene Komfortzone eingestehen. Ja, kann sein. Essen ist für mich nicht nur Ernährung, sondern mehr: Tradition, Genuss, Gewohnheit, Freude, Erinnerungen. Und dennoch habe ich gemerkt, dass es auf Dauer Zeit ist, das Thema nochmal bewusst anzugehen, auch wenn das vielleicht sehr unbequem werden kann.

Kühe

Der Game Changer

Den finalen Anstoß, mich nun doch länger als ein oder zwei Tage vegan zu ernähren, hat die Dokumentation „The Game Changers“ auf Netflix gegeben. In dem Film wird meiner Meinung nach eindrucksvoll und umfassend gezeigt, welchen Einfluss eine pflanzenbasierte Ernährung auf die Gesundheit und die körperliche Leistungsfähigkeit haben kann. Der Fokus liegt hier also nicht auf den ethischen und klimathematischen Faktoren (wie etwa in der Dokumention „Cowspiracy“). Es fehlte vielleicht der letzte Tropfen im schon relativ vollen Fass, weswegen ich den mittlerweile sehr bekannten Veganuary zum Anlass nehmen wollte, eine Woche vegan zu essen. Selbst mein Mitbewohner, der überzeugter Allesesser, ist nach der Doku „The Game Changers“ stark ins Grübeln gekommen und war bereit, sich die Woche mit mir zusammen vegan zu ernähren.

Vorbereitung ist alles

Vorbereitung ist das A und O bei einem solchen Projekt. Wir haben also die Köpfe zusammen gesteckt, um gemeinsam Rezepte zu finden. Wichtigstes Kriterium für meinen Mitbewohner als Fitnessfan: Eiweiß! Ich mache zwar auch viel Sport, aber für mich ist der Eiweiß-Fokus nicht so relevant wie für ihn. Das macht es nämlich nicht unbedingt einfacher! Um genügend Eiweiß zu bekommen, bedarf es schon genauerer Rezept- und Nährstoffrecherche. Zudem haben wir auch nach Rezepten gesucht, die relativ schnell und unkompliziert in der Zubereitung sind. Weder mit einer nicht-veganen noch einer veganen Ernährung habe ich viel Lust, unter der Woche länger als eine Stunde in der Küche stehen.

Auch wollte ich keine Rezepte nachkochen, für die ich exotische Zutaten benötige. Das kenne ich nämlich aus meiner Kochvergangenheit beim Ausprobieren neuer, ausgefallener Gerichte: Ich kaufe diese Lebensmittel, um davon 3 Esslöffel beim Kochen zu verwenden. Der Rest lungert dann im Schrank herum, weil ich festgestellt habe, dass das Gericht mir nicht gefällt. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber ich koche am Ende doch immer nur die selben 10-12 Gerichte, die mir am besten schmecken. Daher haben wir uns auf vielen Blogs inspirieren lassen und Rezeptbücher (u. a. „Peace Food“ von Rüdiger Dahlke) gelesen, um Rezepte zu finden, die unseren Kriterien entsprachen.

Schlussendlich hatten wir genügend Rezepte gefunden, deren Zutatenbeschaffung  im normalen Supermarkt auch gar kein Problem war. Großen Dank hierzu gehen vor allem an die Blogs Zucker und Jagdwurst und Eat this, die eine Vielzahl toller Rezepte im Angebot haben. Isa und Julia von Zucker und Jagdwurst haben zudem einen fantastischen Podcast, den ich nur empfehlen kann. Somit kann die vegane Woche starten, zu der ihr mehr in den kommenden Beiträgen lesen werdet.

Wie steht ihr zu dem Thema Vegetarismus/Veganismus oder generell zum Thema Ernährung?

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2 Comments

  • Wonderful Fifty

    Liebe Vanessa – ich habe gleich mal zu Beginn deines Beitrages einen neuen Begriff gelernt: „Veganuary“. Da ich mich nicht wirklich intensiv mit der Ernährung befasse, habe ich diesen Ausdruck bisher auch noch nie gehört, aber anhand der Wortkreation mir ungefähr vorstellen können, was sich dahinter verbirgt. Ich würde mich wohl eher als Flexitarier bezeichnen, bei mir darf alles ein bisschen auf den Tisch kommen. Da wir aber eine Veganerin in der Familie haben, bin ich mit dieser Ernährungsform auch vertraut und wir essen oft alle gemeinsam vegan. Mittlerweile gibt es ja schon viele tolle vegane Rezepte, wir wirklich köstlich schmecken und daher von allen gerne gegessen werden. Als ich das erste Mal vegan gebacken habe, war das schon etwas eigenartig, so ganz ohne Butter, ohne Eier, ohne Milch, aber die Muffins sind trotzdem lecker geworden, auch wenn sie von der Konsistenz her vielleicht etwas anders geschmeckt haben als die „normalen“. Ich bin jetzt natürlich schon gespannt, wie es bei dir weitergeht und danke auch für die Links zu veganen Rezepten. Da gibt es dann wieder Abwechslung.
    Hab ein ganz wunderbares Wochenende und alles Liebe

    • Kulturblazer

      Hi Gesa,
      ich habe den Ausdruck „Veganuary“ letztes Jahr das erste Mal gehört, aber da ich zu dem Zeitpunkt gar keine Berührungspunkte damit hatte, auch schnell wieder vergessen. Die Bewegung kommt ursprünglich aus Großbritannien und startete erstmal 2014, indem sie als gemeinnützige Organisation Menschen weltweit zusammenholt, um gemeinsam im Januar (und auch den Rest des Jahres, im Idealfall) die pflanzliche Ernährungsweise auszuprobieren. Oft nehmen daran auch Unternehmen teil, in Deutschland waren es dieses Jahr u. a. Rossmann und DM. Zudem sind viele Prominente Teil der Bewegung wie Joaquin Phoenix und Alicia Silverstone. Dort findest du auch viele Rezepte und Tipps für die vegane Ernährung. Ich fand es jedenfalls sehr spannend, das Projekt in meinen Alltag zu holen.
      Liebe Grüße und wunderbaren Sonntag an dich!

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